Zum Inhalt springen

Geschenk

Geburtstagswünsche eines Träumers

Heute habe ich Geburtstag. Warum eigentlich ausgerechnet im März? In einer für unsere Branche so stressigen Zeit? Warum nicht Mitte August, während des Sommerlochs? Dann wäre alles deutlich entspannter im Vorfeld der Feierlichkeiten. Andererseits sei gesagt: Im Endeffekt ist Geburtstag immer nett; egal, wann er stattfindet.

Heute freue ich mich über Sonnenschein. Und über 17 Grad. Über Vespa-Fahren bei sommerlichen Verhältnissen. Über die nette mittagliche Geburtagsfeier im KollegInnen-Kreis. Über das erste Speiseeis des Jahres. Und darüber, dass sich einige Probleme doch plötzlich fast wie von selbst lösen lassen. Und ich freu mich auf meine abendliche Feier.

Und dann denke ich darüber nach, was ich mir zum Geburtstag wünsche. Da wäre nämlich so einiges, das meiste davon nicht materiell, sondern ideell. Etwa würde ich mir für das kommende Jahr von allen Pressestellen und PR-Agenturen dieses Landes wünschen, dass sie mich nicht mehr anlügen. Denn wenn der Schwindel auffliegt, ist das eine sehr peinliche Sache. Es würde uns gut tun.

Außerdem hätte ich einen Wunsch an die Ärztekammer und die SVA. Nämlich, dass sie sich endlich auf einen neuen Vertrag einigen. Dann könnte ich nämlich endlich mal wieder zum Arzt gehen. Das wäre schön.

Und wenn wir schon dabei sind – ich möchte ja nicht dreist erscheinen, aber es liegt mir nun mal am Herzen – würde ich gerne auch irgendwann mal etwas von den Steuern und Pensionsbeiträgen haben, die ich ständig zahle. Kannst Du mir, lieber Staat, garantieren, dass ich bei meinem 70. Geburtstag in 42 Jahren kein Sozialfall bin? Das wäre nur fair; denn immerhin tu ich ja grad so viel für Dich.

Und schließlich wäre ich dankbar, wenn sich alle Menschen endlich lieb haben könnten. Wenn wir alle unsere alten Kriegsbeile vergraben und aufhören, sinnlos (metaphorisch gesprochen) Blut zu vergießen. Wenn wir aufhören können mit den Kindereien und alle in Frieden leben. Live and let live. Wer kann denn bitteschön ein Problem damit haben?

Das sind nur ein paar kleine Wünsche, nicht viel. Vielleicht aber auch zu viel für einen kleinen Spinner wie mich. Aber ich würde mich freuen, wenn sie in Erfüllung gehen. Das wären deutlich tollere Geschenke als ein Paar neuer Socken. Vielen Dank im voraus.

Wo wir Männer versagen

„Typisch männlich eingepackt“, sagt ein lieber Mensch, als ich ihr das Geschenk in die Hand drücke. Und in dem Moment wusste ich: Ja, diese Zeit des Jahres ist schon wieder da – jene, in der wir Männer wie kleine Kinder vor dem Geschenkpapier sitzen und wissen, dass wir wieder versagen werden. Christos Frau konnte sich glücklich schätzen, weil ihr Mann ein Verpackungs-Genie war – alle anderen Besitzer eines Y-Chromosoms sind jedes Jahr von neuem heillos überfordert.

Die größte Herausforderung ist dabei nicht der Freundeskreis, sondern meine Familie, allen voran meine Mutter – denn der möchte ich jedes Jahr beweisen, dass ich mich gebessert habe, muss aber jedes Jahr mit einer Enttäuschung leben. Dieses Jahr habe ich es mir leicht gemacht: Möglichst viele quaderförmige Geschenke. Denn Quader lassen sich vergleichsweise leicht verpacken – was kein Quader ist, muss in Bonbon-Form eingewickelt werden. Es gab Zeiten, in denen ich einen starken Bonbon-Überschuss hatte; heuer konnte ich die Bonbon-Quote deutlich reduzieren.

Sodann ging ich an’s Werk: Zurückziehen in mein Zimmer, Tür verriegeln, Weihnachtsmusik auflegen. Und dann tief durchatmen.

Das Problem ist die Ökonomie: Man(n) möchte von dem Papier nichts verschwenden. Und wenn wir dann aber zu viel verwendet haben, stehen wir vor der Aufgabe, wieder etwas weg schneiden zu müssen. Unser Geschenkpapier zeigt viele kleine Nikoläuse; und als ich Santa mit der Schere den Kopf vom Rumpf abtrenne, im Hintergrund John Lennon „War is over…“ nölt, läuft es mir kalt den Rücken runter. Ich fühle mich unchristlich, weiß aber auch, dass ich zur Erreichung meiner Ziele Opfer bringen muss.

Und dann  diese Sache mit den Händen. Wer ein quaderförmiges Geschenk einpackt, muss das Papier ordentlich zusammen halten, die Spannung halten; und während mir in diesem Moment schon der Angstschweiß des Versagens den Rücken runter läuft, stelle ich fest, dass ich noch nicht den Tesafilmstreifen von der Rolle gelöst habe. Also die weit entfernte Rolle mit dem Fuß her angeln, während die Hände die Spannung halten. Dann die Hände gegen das Kinn tauschen, das fortan die Spannung hält, während meine Hände den Tesafilm (der sich dabei freilich verklebt) von der Rolle zu lösen versuchen.

Dabei hab ich sicher wahnsinnig bescheuert ausgesehen.

Liebes Chtristkind: Zu Weihnachten wünsche ich mir einen dritten Arm.

Und dann diese gottverdammten Schleifen. Die sind meine Nemesis. Einfach drum wickeln, zuknoten, zwirbeln, mag sich frau denken. Ich hingegen scheitere immer am Knoten, bei dem ich ebenfalls verzweifelt die Spannung zu halten suche, wieder auf mein Kinn zurück greifen muss. Liebes Christkind, a propos: Vielleicht doch lieber gleich zwei neue Arme. Der Symmetrie wegen.

Als ich bereits total verzweifelt bin, in einem Hafen zerfledderten Geschenkpapiers und verklebter Tesastreifen sitze, tritt er endlich ein: Der Messias. In Form meiner Schwester. Sie lacht; über das Chaos und auch über meinen verzweifelten Blick. Kniet sich nieder, und hilft mir, zumindest die Geschenke der Eltern noch geschickt zu verpacken.

Liebe Frauen dieser Welt, bitte seht es ein: Wir modernen Bobo-Männer haben uns in vielerlei Hinsicht an Euch angepasst. Wir haben kochen und putzen gelernt, kaufen modische Kleidung, gehen regelmäßig zum Frisör. Die meisten von uns waschen sich sogar täglich. Wir haben uns von Euch emanzipiert, weil Ihr es von uns erwartet habt, und weil wir Euch lieben. Aber in Momenten wie diesen wissen wir, dass wir kapitulieren müssen: Am Ende bleiben wir doch die ungehobelten Affen, die von Euch abhängig sind. Danke, dass es Euch gibt.

So, und ich geh mir nun erst mal den Schweiß abduschen, bevor ich in Richtung Christmesse aufbreche.

In dem Sinne: Frohe Weihnachten alle miteinander,

Euer Stefan

baum