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Tron

Wenn Programme Menschen wären – wie sähen sie aus?

Identifiziere dich, Programm!“-wohl kaum einer wird behaupten, dass der aktuell in den Kinos laufende Film „TRON: Legacy“ durch geistreiche Dialoge punktet. Ob hektische Special Effects und wummernde Bässe der Kultband Daft Punk den Mangel an Story wettmachen, darüber lässt sich streiten. Absurd ist jedenfalls überhaupt der Gedanke, dass Computerprogramme einen Charakter haben können. Oh Schreck: Wie sähe denn aktuelle Software aus, wenn sie menschlich wäre?

Blicken wir vorerst mal auf die Betriebssysteme. Da wäre zunächst mal Windows, der klassische“ Adabei“: Keine Party ohne ihn, jeder kennt ihn; und somit hat er Freunde ebenso wie Feinde-ist ja auch kein Wunder, da er ja ständig verspricht, sich anzupassen und für jeden da zu sein, dann Mist baut und kurz darauf versichert, sich in naher Zukunft zu bessern. Wer mit Windows auf einer Ebene steht-also Mister Mac OS und Lady Linux-,kommt mit Windows eher nicht aus. Mister Mac ist nämlich der schick gekleidete Snob, der sich exklusiv gibt. Ein bisschen arrogant ist er, aber dazu hat er ja auch einen Grund: Im Gegensatz zu Windows bleibt er selten irgendwo hängen, ist im Gegensatz zum Microsofty aber deutlich härter, wenn es um Flexibilität geht: An sich rumschrauben lässt Mister Mac nicht!

Lady Linux hingegen ist beim ersten Kennenlernen etwas schwerer zugänglich, deswegen hat sie nicht allzu viele Freunde. Wer sich an den Umgang mit ihr aber erst mal gewöhnt hat, findet eine offene Gefährtin fürs Leben, die für ihre Nettigkeit nicht mal eine Gegenleistung verlangt-im Gegensatz zu Mac und Windows übrigens, die eigentlich nur unser Geld wollen.

Natürlich bringen die drei auch allerlei Freunde mit. Da wäre etwa Excel, der spießige Arbeitskollege: Zahlen sind sein Leben, und pedantisch kontrolliert er beim gemeinsamen Geschäftsessen jede Rechnung. Sein bester Freund heißt Word-gemeinsam haben sie schon so manches Projekt durchgezogen, und Excel hat Word auch öfters schon mal seine Zahlen als Bild dargestellt, damit dieser sie auch versteht und in seine Reports integrieren kann; dennoch wissen sie, dass ihre Kompetenzen so fern auseinanderliegen wie die beiden menschlichen Hirnhälften-sie sind ein ungleiches Paar.

Photoshop ist hingegen der Mensch, den jede Agentur und jedes Medienunternehmen kennt: Der Grafiker. Da gleich und gleich sich gerne gesellen, ist Photoshop mit Corel Draw verheiratet-die weibliche Rolle schreiben wir hier mal Draw zu, da der Name leicht an den Vornamen“ Carol“ erinnert.

Beide übrigens haben ein Kind: Ein kleines Mädchen namens Paint. Im Gegensatz zu den Werken der Eltern sind ihre Zeichnungen noch recht krakelig, aber dafür ist sie immer gerne in Gesellschaft von Onkel Windows, der die Kleine auf jede Party mitnimmt-auch wenn erwachsene Programme ihr Talent eher milde belächeln.

Aus Gründen der Effizienzmaximierung erschien dieser Beitrag auch in Stefan Meys wöchentlicher Kolumne im „WirtschaftsBlatt Investor“.