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Ein Platz für die Kunst

Sie: „Ich bin schwanger.“

Er: „Wie kann das sein?“

Sie: „Na, erinnerst Du dich… was letztes Mal passiert ist?“

Er: „Soll das heißen… ich werde Vater?“

Eine Stimme aus dem Hintergrund: „Sag das nochmal!“

„Soll das heißen… ich werde Vater?“

„Nochmal!“

„Ich werde VATER?!?“

Sie: „Ja! Ist das so schwer zu verstehen?“

Er: „Aber… ich will kein Vater sein.“

Das Gespräch findet mitten in meinem Wohnzimmer statt. Aber keine Sorge: Ich bin nicht direkt betroffen.Stattdessen handelt es sich um die Probe für ein Theaterstück, in die ich gerade rein geplatzt bin, als ich noch rasch eine Besprechung meines eigenen Projekts verlassen habe, um etwas aus meinem Schlafzimmer zu holen… Willkommen im Jaaga – einem Co-Working- und Co-Living-Space in Bangalore, der uns während unserer Zeit im Silicon Valley Indiens als Zuhause dient – zum Leben ebenso wie zum Arbeiten.

Denn hier sind die Grenzen zwischen Wohnung und Büro fließend: Verlasse ich mein Schlafzimmer, um mich zu duschen oder einen stillen Ort zu besuchen, so muss ich dafür durch einen Raum mit Kunststofftischen und -stühlen schreiten, in dem nicht nur wir, sondern auch diverse Start-Ups oder Künstler arbeiten – gelegentlich ist es in dieser Wohn-Arbeit-Kombination auch schon vorkommen, dass ich nur in Boxershorts und T-Shirt bekleidet morgens ins Bad spazierte, und auf dem Weg dahin einen interessanten Geschäftskontakt traf. Die richtige Strategie lautet dann: Freundlich winken, zurück ins Schlafzimmer, Hose anziehen, und anschließend formell begrüßen.

Ein Platz für urbane Nomaden

Und vor jenem Gebäude aus Beton, in dem ich die meiste Zeit verbringe, ist ein großer Platz, auf dem ein Gerüst von mehreren Stockwerken Höhe steht – in dieses Gebilde aus Stahl und Holzplatten wird derzeit ein kreativer Space installiert, der nachts gelegentlich erleuchtet wird und in dem neben klassischer Büro-Arbeit auch Kunstprojekte und diverse Veranstaltungen stattfinden sollen.

Gestern gesellte ich mich nach dem Abendessen somit zu einer indisch-amerikanischen Gruppe. Ein paar indische Geeks hatten einen kleinen Roboter umprogrammiert, so dass dieser auf Knopfdruck Luftgitarre spielt – typisch digitale Kunst halt. Und zu ihren Füßen saßen ein paar Musiker, die sich in einer Jam-Session aus Tabla, Midi-Keyboard und Banjo versuchten. Da gesellte ich mich dazu, trommelte zuerst ein wenig und griff anschließend zu einer Ukulele. Das Ergebnis klang: Experimentell. Und Multikulturell. Und neu, und anders. Halt so wie das, was ich in anderen Kreisen schon erlebt habe: Mit den urbanen Nomaden, bei Guerilla Zoo in London oder mit meinen bisherigen Bands. Hätte mir gewünscht, dass meine künstlerischen Mitstreiter am anderen Ende der Welt dabei gewesen wären.

Wie sieht’s aus, Freunde? Wandern wir aus?