Apr 30 2012

IndiaCamp 2.0 rockte den HUB!

Stefan Mey

Erfolge zu wiederholen, das ist nie eine leichte Aufgabe. Beim ersten IndiaCamp im Jahr 2011 hatten wir bereits viel Spaß, spannende Vorträge und interessante Menschen erlebt – und uns somit für das am vergangenen Samstag abgehaltene IndiaCamp die Latte der Erwartungen entsprechend hoch gelegt.

Enttäuscht haben wir dabei wohl weder uns selbst noch unsere 70 Besucher; denn auch dieses Jahr war das Event im Hub Vienna wieder ein voller Erfolg. Die Qualität der Sessions war diesmal sogar noch höher als im Vorjahr, der allgemein sehr lockere Grundtenor hat sich noch stärker von Wirtschaft hin zu Kultur und Interkulturellem bewegt; etliche persönliche Erfahrungen flossen in die Sessions ein. Gesteckt voll war etwa der Vortrag von Robert Klembas, Rebeat Digital, über den indischen Musikmarkt; Claus Tieber läutete den Tag mit westlichen Stereotypen zu indischem Film ein, während parallel dazu Radha Anjali religiöse Hintergründe des indischen Tanzes erläuterte. Zum Mittag haben wir meditiert; und den Abschluss lieferte Sebastian Buchner mit seinen traumhaften Fotos.

Sebastian hat – im Gegensatz zum Vorjahr – heuer auch nicht bloß vorgetragen, sondern gleich selbst auf dem Event fotografiert; gemeinsam mit unserem schon vom Vorjahr bekannten Hugo van Doorn und Rolf Mey, der extra für das Event aus Bayern angereist ist. Etliche Fotos werden wir hier in Kürze präsentieren – lasst Euch versprechen: Sie sehen toll aus.

Abschließend möchten wir uns auch diesmal bei allen Gästen für die Teilnahme bedanken – Events wie das IndiaCamp können nur stattfinden, weil es Menschen wie Euch gibt, die durch Vorträge und Inputs bei Diskussionen der ganzen Veranstaltung das gewisse Etwas verleihen. Ihr seid super.

Danke Euch allen. Wir sehen uns im nächsten Jahr,

Wolfgang und Stefan

Stefan Mey, Wolfgang Bergthaler und Radha Anjali

(C) Sebastian Buchner


Apr 30 2012

IndiaCamp: Alle Tweets, hier zum Nachlesen

Stefan Mey

Das IndiaCamp war ein absoluter Hammer – es hat gar so viel Spaß gemacht, dass wir kaum zum Twittern gekommen sind. Dennoch möchte ich Euch hier eine kleine Sammlung der besten Tweets zusammenstellen – inklusive einiger Smartphone-Fotos vom Event. Die richtig guten Bilder folgen dann in Kürze.

  • Kick-off für das morgige Event :) http://t.co/BktVw4Gf #
  • Hör auf den Inder? Claus Tieber rockt! :D
  • Treppenprogramm von @donbosco http://t.co/hmD7wgXX #
  • Session indischer Tanz http://t.co/VVuy7pyG #
  • Tanz-Superstar Radha Anjali schult das Publikum des IndiaCamp http://t.co/jbTomG3l #
  • Mittagspause! http://t.co/MYkr9jMf #
  • Indien ist im weltweiten Musikmarkt auf Platz 16, noch hinter der Schweiz – weil Umsätze Filmmarkt zugerechnet werden. #
  • Indischer Musikmarkt ist von Handy und Telcos getrieben. #
  • Keine internationalen digitalen Musikstores in Indien. Kein iTunes, Amazon Music oder Spotify. #
  • 75 % der indischen Musik-Downloads sind Ringtones. Mantras als Treiber, wenig westliche Musik. #
  • Herausforderungen: Raubkopien, wenig Kreditkarten, keine internationalen Stores. #
  • Robert Klembas von Rebeat http://t.co/5vMQ6LUa #
  • Abo-Modell wird sich in Indien eher durchsetzen als Download, weil für Telcos leichter umzusetzen. #
  • 3g-Boom und Gesetzesänderungen können Indien zu Top10-Musikmarkt machen. Derzeit aber noch > 80% Raubkopien. #
  • Urheberrecht hält 70 Jahre nach Tod des Urhebers und 50 Jahre nach Veröffentlichung der Aufnahme. #
  • Meditation: http://t.co/aTKw8yVk #
  • Der erste Mobile Tandoor der Welt: http://t.co/kSziRSry #
  • Der Wolf im weißen Pelz: http://t.co/9Z6tNVy0 #
  • @foblauer DANKE! :) in reply to foblauer #
  • Indischer Tanz wurde in peruanischen Alltag stark integriert. #Bollywood @Bollyglobal #
  • #Bollywood als globales Phänomen. http://t.co/joEduRgM #
  • Meine Session fängt jetzt an! Bitte kommt! #
  • Freue mich über den Comic-Enthusiasmus hier in Wien :) #
  • Tolle Bilder und Töne aus Varanasi am IndiaCamp. Das weckt Erinnerungen. #
  • http://t.co/Ylw8eATq #
  • Schön wars! Danke an alle, die teilgenommen haben!

Apr 27 2012

Sehen wir uns morgen?

Stefan Mey

Nur noch einmal schlafen, dann ist es soweit: Das IndiaCamp wird ein weiteres Mal seine Pforten öffnen; und derzeit deutet alles darauf hin, dass wie den Erfolg des vergangenen Jahres sogar noch übertreffen werden.

Denn alleine in unserem Wiki gibt es schon knapp 70 Anmeldungen (und erfahrungsgemäß kommt dann immer noch ein wenig kurzfristig entschlossenes Laufpublikum hinzu); außerdem sind die Sessions diesmal ein Hammer: Robert Klembas von Rebeat wird im Wirtschafts-Segment etwa über das digitale Musik-Business sprechen, zudem wird der erste mobile Tandoor-Grill der Welt vorgestellt.

Im Kultur-Bereich wiederum berichtet Alina Tretnjak vom Bollwood-Tanz abseits des Mainstream, nämlich in indischen Slums – im Februar habe ich sie in Chennai getroffen, als sie dort gerade an der Perfektion ihrer eigenen Tanz-Künste arbeitete. Und auch Experten wie Claus Tieber und Radha Anjali bringen ihr Fachwissen rund um Bollywood und Tanz ein. Selbst eine Session rund um Yoga und Meditation wird es diesmal geben.

Ich selbst werde in einer Session Eindrücke von der indischen Comic-Con mit Erkenntnissen aus einem Gespräch mit dem Geschäftsführer von ACK kombinieren – bei mir wird man also alles erfahren, was es über indische Comic-Kultur zu wissen gibt. Außerdem werde ich in einer zweiten Session Co-Working-Soaces in Indien vorstellen – der Vortrag wird äußerst multimedial gehalten und unter anderem Videos wie das Folgende enthalten.

Wer da nicht kommt, ist selber schuld. Weiterführende Informationen gibt es hier.


Apr 21 2012

“Nur ein Bier” – ein Abend im Treibhaus

Stefan Mey

Eigentlich wollte ich ja bloß auf ein einziges Bierchen gehen und mich dann gleich wieder vom Acker machen – denn immerhin hat man ja einen Daytime-Job. Aber dann kam es doch anders, als ich am vergangenen Dienstag after work mal wieder im “Treibhaus”, einem Co-Working-Space für Cleantech-Startups von Nicole Arnitz und Hannes Offenbacher, vorbei geschaut habe. Die Teibhausens haben nämlich dieses einzigartige Talent, immer die richtigen Leute am richtigen Ort zu versammeln. Man kam ins Gespräch – anfangs nur mit den altbekannten Gesichtern, dann auch mit anderen Menschen.

Man mag so was mit dem fürchterlichen Wort namens “Networking” abstempeln – aber irgendwie ist das mehr. Denn dort treffen tolle – und teilweise auch recht absurde – Ideen, sowie nette Menschen aufeinander. Das aus meiner Sicht ausgefliptteste Startup an besagtem Abend: Ein Unternehmer, der einen Zirbenholz-Baum gefällt und in kleine Stücke gehauen hat – die daraus resultierenden Chips sollen von den Kunden verschenkt werden. Klingt irgendwie doof? Na, jetzt kommt der Clou: Die Dinger sind mit einem Code versehen, den man auf einer Website eingeben kann – und darüber kann Jeder mit verfolgen, wer besagten Zirbenholz-Chip schon vor ihm gehabt hat. Im Idealfall sitzt man dann irgendwo in China und sieht, wie das Ding sich von Österreich über Deutschland und San Francisco und Mumbai bis nach Peking bewegt hat. Und das… ist irgendwie cool.

Ansonsten habe ich noch mit dem neuen Praktikanten der Treibhausens geredet – ein netter Kerl, ganz anders als der Luca (der aber – nicht falsch verstehen – auch sehr nett ist) -, sowie mit diversen Menschen aus der Medien-, PR- und Sozialszene. Gehen wollte ich halt schon um halb 9, im Endeffekt wurde es dann aber halb 12; und zahlreiche Leute, bei denen ich mich ursprünglich schon verabschiedet hatte, verließen das Gebäude deutlich vor mir.

Warum? Weil die Gespräche so interessant und so nett waren. Und das ist viel wert. Ich freu mich schon wieder auf ein Wiedersehen – optimalerweise freilich auf meinem eigenen Event, dem IndiaCamp am 28. April.


Apr 15 2012

Zwischen den Welten

Stefan Mey

Es ist eine Frage, die mir in letzter Zeit öfters am Telefon gestellt wurde, während ich gerade in der U-Bahn saß, ebenso wie auf Networking-Veranstaltungen als Smalltalk-Thema oder zum ungezwungenen Eisbrechen bei einem oberflächlichen Gespräch: “Und? Ist es hart, sich nach fünf Monaten Indien wieder in Wien einzugewöhnen?”. Die Antwort auf die Frage lautet: Ja.

Ja, selbstverständlich ist das nicht lustig. Natürlich ist es schwierig, nach fünf Monaten Leben und Arbeiten in einem wilden, verrückten, bunten Land sich wieder in österreichischen Alltag einzugliedern. Etwas anderes zu behaupten wäre schlichtweg gelogen; und ich habe mich in den vergangenen Wochen nicht selten wegen Kleinigkeiten auf die Palme bringen lassen, war öfters mal schlecht gelaunt und habe das an den falschen Menschen ausgelassen – ein Verhalten, das der Kulturforscher Hofsteede als “umgekehrten Kulturschock” bezeichnet: Anfangs bist Du total euphorisch, dass Du all Deine Freunde siehst, wieder Schnitzel essen und richtiges Bier trinken darfst und Dir in der Straßenbahn niemand ins Gesicht rülpst; dann stellt sich aber der Alltag ein, und man fällt in ein tiefes Loch voller Zweifel und Unzufriedenheit; und erst nach einiger Zeit pendelt sich alles wieder ein, und man fühlt sich in der Heimat wieder zuhause.

Ich befinde mich nun in der letzteren Phase. Gliedere mich langsam wieder in mein eigenes Leben ein. Und das ist gut so; denn ich habe einen Traumjob, eine wundervolle Freundin und wirklich gute Freunde – eigentlich möchte ich mit niemand tauschen. Mein Alltag ist super. Allen Menschen, die meine Stimmungsschwankungen in den vergangenen Wochen  aushalten mussten, schulde ich eine Entschuldigung.

Dennoch: Der langsamen Eingliederung in den Alltag zum Trotz lasse ich nicht komplett von meinem alten Leben los. Denn zwar haben mich etliche Freunde, Bekannte und Kollegen in den letzten Wochen aufgefordert, zu erzählen, “wie es denn so war in Indien” – aber es gibt zu viel zu berichten, als dass es in einzelnen Gesprächen komplett eingefasst werden könnte. Ich habe verstanden, dass ich von niemand erwarten kann, sich wochenlang Geschichten über die ComicCon in Delhi oder Meditationen in Auroville anzuhören – schließlich hat jeder Mensch sein eigenes Leben. Entsprechend werden meine Erfahrungen schriftlich festgehalten: An meinem ersten Buch schreibe ich nach wie vor; und einzelne Kapitel werden sich in den kommenden Wochen immer wieder auf diesem Blog wiederfinden – parallel zu Erfahrungen aus meinem Daytime-Job, Gesuder über Technik und Berichten von verrückten Startup-Konferenzen.

Somit sei auch der neue Slogan dieses Blogs – “Zwischen den Welten” – erklärt: Ja, ich bin wieder in Wien, arbeite jetzt bei der größten Wirtschafts-Tageszeitung des Landes, schreibe hier über Geld und Technik. Und: Ja, ich veranstalte in zwei Wochen das phantastische IndiaCamp, gemeinsam mit Wolfgang Bergthaler. Und: Ja, ich hänge after Work öfter mal auf Startup-Konferenzen, im Treibhaus, im sektor5 oder im Hub rum, weil mich die dort arbeitenden Menschen einfach interessieren. Und: Ja, verdammt, ich werde noch immer über Indien schreiben – weil es schlichtweg eine Schande wäre, dies nicht zu tun.

Das alles ergibt einen bunten Mix aus verschiedenen Welten, und ich stehe irgendwo dazwischen – was das bedeutet, beschreibe ich auf diesem Blog; über Leserschaft freue ich mich freilich – und hoffe, dass ich Eure Erwartungen nicht enttäusche.


Apr 10 2012

Viel los in nächster Zeit

Stefan Mey

Ich bin emotional noch immer nicht zu 100 Prozent aus Indien zurück gekehrt, sondern befinde mich derzeit zwischen den Welten – daher erstens der neue Slogan dieses Blogs, und zweitens mehr in einem späteren Posting… aber genug von mir. Sprechen wir lieber über mein Umfeld: Es geht derzeit drunter und drüber mit den kommenden Veranstaltungen in Wien und Umgebung; einige werde ich aus beruflichem Interesse verfolgen, andere aus persönlichem Interesse, und bei den meisten ist es eine Mischung aus Beidem.

Konkret erwartet uns die kommenden Wochen und Monate Folgendes:

- Am kommenden Donnerstag wird ab 18 Uhr im Sektor5, Siebenbrunnengasse 44, die nächste StartUp-Lounge stattfinden (hosted by STARTeurope), bei der sich einige StartUps aus Wien präsentieren können und man sich anschließend zu einem Nett-Working (haha, Wortspiel von mir!) trifft.

- Am darauf folgenden Wochenende feiert der legendäre, einzigartige FunkyMike (bekannt von meinen diversen Reise-Reportagen rund um Bali, Thailand und – äh – Köln) seinen 30. Geburtstag. Er lebe hoch!

- Am 17. 4. findet die von Mehrblick organisierte “Ideenlounge” im neu eröffneten Treibhaus, Eschenbachgasse 11 in 1010 Wien, statt.

- am 25.4. ab 18 uhr ist eine Veranstaltung namens Explore Smart Web Vienna (OCG, Dampfschiffstraße 4, 8. Stock, 1030 Wien). Inhalt laut webtermine.at: “Zwei Studien über den Innovationsstandort Wien erlauben Einblicke in Netzwerke, Akteure und Rollen, aber auch Produkte und Marktfaktoren der Wiener IT-Landschaft.”. Sowie zeitgleich der “Themenabend BlackBox Suchmaschine” (Museumsquartier Wien, Raum D, Museumsplatz 1/ 5, 1070 Wien).

- am 28. April (Samstag) dann – man darf hier Eigenwerbung machen – das famose INDIACAMP, das ich gemeinsam mit Wolfgang Bergthaler organisiere – Informationen dazu gibt es hier: http://www.barcamp.at/IndiaCamp_2012

- Am 3. Mai findet die erste SchumBeta [Medien] Konferenz statt – hosted by Österreichischer Gewerbeverein. Im Fokus stehen die intelligenten Verknüpfungen von alten und neuen Medien, sowie die gesellschaftliche Gestaltungskraft von innovativen Projekten und Startups. Mehr dazu hier.

- Und am Wochenende von 7. bis 10. Juni (ja, ein verlängertes Wochenende!) treffen dann noch mehrere Ereignisse aufeinander, weil gleichzeitig das Novarock und ein BarCamp am Bodensee stattfinden; beides sehr reizvolle Events.

Wie immer würde ich freuen, den einen oder anderen auch mal hier oder dort zu treffen – aber da Wien ja ohnehin ein Dorf ist, mache ich mir diesbezüglich wenig Sorgen.


Mar 9 2012

Wie ich mein Start-Up für 100.000 Kröten verkaufte

Stefan Mey

Irgendwann Ende Jänner waren der Wolf und ich gerade gleichzeitig in Bombay, und er wollte sich unbedingt mit mir treffen, um etwas Wichtiges zu besprechen. Wir trafen uns im Hub, und saßen uns kurz danach in meinem Lieblings-Veg-Restaurant in Bandra – dem Sai Sagar – gegenüber.

“Wie sind denn Deine weiteren Pläne für ‘Indische Wirtschaft’?”, fragt mich der Wolf, während hinter mir der Verkehr lärmt und der Kellner zwei Metallbecher mit gefiltertem Wasser lautstark auf den Tisch knallt. Ich weiß: Mitte März bin ich wieder in Österreich, und dann beginnt wieder mein Arbeitsalltag bei der größten Wirtschafts-Tageszeitung des Landes; nebenbei habe ich während der letzten Monate meine Liebe zum kreativen Schreiben entdeckt und möchte mich in der Freizeit darauf fokussieren. Dann sind da noch die Jungs von Rebeat, die ich in Delhi kennen gelernt habe und die mir vor Augen führten, wie einfach sich heute selbstgemachte Musik digital vertreiben lässt. Und Partys möchte ich auch wieder veranstalten, wenn ich wieder in Wien bin.

Das klingt nach recht viel Arbeit, wenn ich ehrlich bin – und für ‘Indische Wirtschaft’ könnte ich wohl auch noch Zeit entbehren, aber es wäre nur ein Projekt von vielen, anstatt wie in den vergangenen Monaten das Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Also antworte ich wahrheitsgemäß, dass ich zwar ab und zu noch etwas schreiben würde, aber nicht mehr 100 Prozent meiner Energie in das Medium investieren möchte. “Und ich hingegen möchte, dass mir IW komplett gehört”, sagt der Wolf: “Ich würde gerne Deinen Anteil abkaufen.” Weil ich ihn so ungläubig ansehe, verwendet er das E-Wort, das bei jedem Internet-Unternehmer leuchte Augen verursacht: “Einen Exit biete ich Dir quasi an.” Das klingt schon deutlich reizvoller, aber über die Kohle müssen wir freilich auch reden.

Beide Seiten sind wir freilich nicht besonders liquide, man tauschte die finanzielle Sicherheit ein für eine berufliche Freiheit . “Ich kann Dir 1500 € anbieten,” sagt er – was mich allerdings nicht wirklich begeistern kann. “Naa”, lacht er plötzlich: “Machen wir es anders… ich biete Dir einen Lakh!” Ein Lakh – das sind 100.000 indische Rupien. Und 100.000 Kröten bei dem Verkauf meines ersten Start-Ups eingesammelt zu haben, das klingt gut. Das macht eine gute Überschrift für einen Blogbeitrag her; und so manche werden wohl auf den Link klicken in der Hoffnung, ich sei nun neureich (Tut mir leid, Sie an dieser Stelle enttäuscht zu haben). Und es ist deutlich mehr als ich bekam, als ich nach ebensolanger Zeit meine Arbeit an der Okto-Sendung “Community.Talk” im Jahr 2008 niederlegte (nämlich nichts).

Ich willige also ein.

Aufstand der Maschinen

Danach trennen sich unsere Wege wieder. Den Wolf zieht es in den Norden und in den gefährlichen Osten des Landes; ich kämpfe hingegen im Süden gegen Kakerlaken-Krieger, meditiere vor dem größten makellosen Kristall der Welt und versuche mich als organisher Farmer (mehr dazu später auf diesem Kanal und in meinem bald erhältlichen Buch). Irgendwann treffen wir uns dann wieder in Bangalore; und ich kriege Post von der SVA – eindeutig: Jetzt wird es langsam mal Zeit, dass ich mein Exit-Geld einsammle; von dem Verkauf meiner ersten Firma kann ich dann zumindest einen Bruchteil meiner Sozialversicherungsbeiträge für ein Quartal bezahlen.

Also machen wir es uns in dem Wohnzimmer einer guten Freundin bequem. Auf dem Flatscreen im Hintergrund läuft gerade “Terminator 3 – Aufstand der Maschinen”; und während Schwarzenegger gegen Roboter kämpft, schreiben wir unseren Exit-Vertrag: Wir geben  uns große Mühe, Sachen hinzu zu dichten, um ihn professioneller wirken zu lassen; aber es hilft alles nichts: Länger als eine halbe Seite will er einfach nicht werden. Als Übergabedatum vereinbaren wir den 30. Geburtstag des Wolfs, Gerichtsstand ist Bangalore – wobei das wurscht ist, weil wir einander erstens ohnehin niemals klagen würden und zweitens keine Anwälte anwesend sind. Hätten wir uns ja unmöglich leisten können.

Dann gehen wir Bier trinken.

Neues Erscheinungsbild

Tja, und nun hat IW ein neues Erscheinungsbild: Statt unserer beider Köpfe prangt da nur noch das Bild des Wolfs – fesch schaut er aus, so in Schwarz-Weiß. Im Impressum stehen nun nur noch seine Kontaktdaten; aber zumindest mit einem Absatz zollt er mit Tribut, wünscht mir alles Gute und dankt für die schöne Zusammenarbeit.

Ich danke ebenfalls. Für mich ist das Projekt IW nun abgeschlossen; in wenigen Tagen werde ich nach Österreich zurück kehren. Dort warten dann neue spannende Aufgaben auf mich. Ich bereue nicht im geringsten, was in den letzten Monaten so alles passiert ist – und danke dem Wolf, dass er meine Neurosen so gut verkraftet hat. Für seine Zukunft und die von IW wünsche ich ihm nur das Beste. Er hat es sich verdient.


Feb 17 2012

IndiaCamp 2012 im Anflug!

Stefan Mey

Wir unterbrechen unsere Berichterstattung aus der indischen Mittelklasse kurz und machen ein wenig Werbung.

Das Warten hat ein Ende! Nach dem Erfolg des IndiaCamp im vergangenen Jahr tun Wolfgang Bergthaler und Stefan Mey es heuer wieder: Am 28. April 2012 wird erneut im HUB ein “IndiaCamp” stattfinden – eine locker-angenehme Un-Konferenz rund um das Thema Indien. Hier wird es wieder wirtschaftliche, kulturelle und soziale Vorträge geben, sowie gutes Essen und ein nettes Chill-Out am Abend… das Beste am IndiaCamp sind aber – das haben wir letztes Jahr gemerkt – die Teilnehmer.

Denn wo bei uns “Wirtschaft” drauf steht, ist Wirtschaft im humanen Sinne drin: Wir lassen den Mainstream beiseite und konzentrieren uns bei unseren Vorträgen auf das, worauf es bei wirtschaftlicher Interaktion wirklich ankommt: Das Menscheln. Letztes Jahr hatten wir dementsprechend einige spannende Sessions zu interkultureller Kompetenz, einen tollen Diavortrag von Sebastian Buchner, neue Aspekte rund um die Themen Bollywood und Cricket, Social Business, Reverse Innovation, indischer Tanz… und damit sind noch längst nicht alle Highlights erwähnt!

Dieses Jahr – da bin ich überzeugt – werden wir den Erfolg vom letzten Jahr noch übertreffen. Denn nun waren wir gemeinsam ein halbes Jahr in Indien unterwegs und haben viele ungewöhnliche Eindrücke gesammelt. Unter anderem werden sich die Leserinnen und Leser dieses Blogs auch auf die Präsentation meines ersten Buchs freuen können, das ich während unserer Reise geschrieben habe… und mit weiteren Highlights rechnen wir fix :)


Jan 24 2012

Während ich auf Urlaub war, hat Der Wolf ein Buch geschrieben

Stefan Mey

Während ich in den vergangenen Wochen am Strand Goas gelegen bin, durch die Backwaters von Kerala schipperte und in einem Ashram vergeblich nach der Erleuchtung suchte, war der Wolf nicht gerade untätig: Basierend auf den Einträgen auf unserem Online-Medium www.indische-wirtschaft.de hat er ein Buch geschrieben, es in ein nettes Layout gepackt, mit einem flotten Vorwort versehen und auf den Kindle-Store von Amazon gestellt – dort ist es jetzt um 9,99 USD zu haben.

Das Buch deckt genau das ab, womit der Wolf sich am besten auskennt: „Indien von A bis Z“, und zwar aus einer anderen Perspektive als das herkömmliche theoretische Gelaber, das man in anderen so genannten Fachbüchern liest – während andere Autoren am Schreibtisch sitzen und sich aus bestehenden Quellen interkulturelle Theorie zusammen suchen, merkt man dem Wolf an, dass er quer durch Indien gereist ist, mit den Leuten geredet und ein Buch für Praktiker geschrieben hat. Das Ganze liest sich richtig angenehm.

Raum für Rebellen

Weil der Wolf ein Rebell ist, hat er freilich von Anfang an auf die großen Verlage gepfiffen. Statt den mühsamen Weg über Agenten zu gehen und irgendwelchen Sesselpupsern zu erklären, warum dieses knackige Werk mehr kann als irgendwelche 500-Seiten-Wälzer mit überflüssigen To-Do-Listen, hat er es einfach auf Amazon geladen – dort bekommt er dann einen deutlich größeren Prozentsatz vom Verkaufspreis als ihm bei einem herkömmlichen Verlag bleiben würde. Und das ist gut so.

Denn das Amazon-System ist eigentlich ein ziemlicher Hammer: Mit nur einem Klick kauft man Bücher um zweistellige Euro-Beträge, die sich kurz darauf auf dem Lesegerät befinden – über das Empfehlungssystem kommt man aus dem Einkaufen auch gar nicht mehr heraus, weil es halt so viele spannende Werke gibt. Zudem ist die Zielgruppe auch gar nicht mehr so klein, wie sie früher einmal war: Einem aktuellen Artikel von Heise.de zufolge hat aktuell ein Viertel der US-Bürger bereits ein digitales Lesegerät in Form eines Tablet-PCs oder eReaders. Ich selbst habe die Kindle-App auf meinem iPod installiert – und als ich eigentlich nur das Buch des Wolfs lesen wollte, habe ich gleich mal noch etliche weitere Bücher gekauft, die ich über die kommenden Wochen lesen werde. Der Vorteil der digitalen Reiseliteratur liegt im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand: Ganze Bibliotheken passen auf ein kleines Gerät, während früher zu viele Bücher im Koffer beim Check-In für Übergepäck sorgten.

Rückkehr der Groschenliteratur

Lustig ist ein Blick in die Bestseller-Listen des Kindle-Stores: Während in herkömmlichen Buchhandlungen die Regale von jenen Büchern dominiert werden, für die die Verlage ein entsprechendes Marketing-Budget bereitstellen, scheint im Kindle-Store der Preis eine große Rolle zu spielen: Die Bestseller-Liste der Gratis-Bücher wird – das ist keine große Überraschung – von Literaturklassikern dominiert, die nicht mehr unter das Urheberrecht fallen; bei den bezahlten Werken finden sich in der Bestseller-Liste neben Megahits wie „Game of Thrones“ auch Bücher von eigentlich vollkommen unbekannten Autoren: Ein Berliner Schriftsteller etwa verkauft eine siebenteilige Thriller-Serie rund um Liebe, Mord und Dämonen zu je einem Euro das Buch – nach Eigenangabe hat er davon zwischen September und März über 50.000 Exemplare verkauft. Die Groschenliteratur feiert hier ein digitales Revival.

Für mein eigenes Buch, an dem ich derzeit arbeite, ist die Strategie somit klar: Pro forma – weil ich ja immerhin aus der Print-Ecke entstamme – werde ich mit meinem Werk zu drei unterschiedlichen Verlagen spazieren. Sollten sich die Verhandlungen aber als zu anstrengend erweisen, werde ich das machen, was dem digitalen Zeitalter einfach angemessen ist: Das Buch in elektronischer Form publizieren, es selbst vermarkten und mir den Gewinn einstreichen – sollen die Sesselpupser sich dort selbst durch Stau, Monsun und Hitze kämpfen, wenn sie mit Literatur Geld verdienen wollen.

Link zu Wolfgang Bergthalers Buch “Indien von A bis Z”


Dec 19 2011

Die Dschungelgeister

Stefan Mey

Manche Situationen sind einfach zu klischeehaft, um wahr zu sein: Beim Verfassen des vorherigen Beitrags war es bereits der Abend meines zweiten – und somit auch letzten – Tages in Matheran. Nach einer ausgedehnten Wanderung durch den Wald zum Ordnen meiner Gedanken hatte ich es mir auf der Veranda meines Bungalows bequem gemacht, mit Blick auf die Wildnis und die untergehende Sonne. Ein Zimmerjunge hatte mir eine Tasse Tee kredenzt; und ich machte mich daran, meine Erfahrungen in geschriebene Worte zu fassen – das nahezu malerische Bild eines zurückgezogenen Schriftstellers. Ich kratze mich an meinem Bart.

Dann wird meine Einsamkeit durchbrochen; und ich stelle plötzlich fest, dass ich nicht mehr der einzige Gast in diesem Hotel im Urwald bin. Im Haus neben mir sind zwei junge Männer eingezogen, und sie diskutieren: „Dieser Ort hat einen Charme“, sagt der Eine: „Du wirst Dich dein Leben lang daran erinnern, dass Du hier gelebt hast – das ist viel besser als jedes Drei-Sterne-Hotel.“

Der Andere, so erfahre ich später beim Abendessen, sieht das Hotel im Wald eher aus der Perspektive eines Splatter-Film-Geschädigten: Die Halle, in der wir zu abend essen, die früher ein Kino gewesen ist und in der nun der Putz von den Wänden bröckelt, die sei die beste Kulisse, um in einem Horror-Film einen blutigen Massenmord zu inszenieren. Ich grinse, und erzähle von meinen Erlebnissen des Vorabends, von meinem Irrweg durch den Wald. Und ich setze noch eine weitere Erfahrung von der vorherigen Nacht drauf: Während ich schlief, rumpelte es stets in meinem Badezimmer. Anfangs sah ich noch nach, blickte in die Dunkelheit: Nichts. Dann wieder: Rumpel, Rumpel. Ein weiterer Blick, diesmal mit Licht: Nichts außer einem Klo, einem Waschbecken und einer Dusche. Beunruhigend? Geister? „Irgendwann habe ich mir dann eingeredet“, sage ich: „Dass das die Affen waren, die über das Dach rannten.“ Der Eingeschüchterte runzelt die Stirn: „Ja, das war es wohl hoffentlich. Danke für den Tipp.“ Nervös nippt er an seinem Wasser.

„Ich habe Dich auf dem Balkon gesehen, Du hast geschrieben“, sagt der Andere, der Euphorische: „Bist Du Schriftsteller?“ Jein, denke ich mir: „Ich bin Journalist – aber es kann gut sein, dass ich gerade ein Buch schreibe.“ Es stellt sich heraus, dass der Euphorische selbst ein Schriftsteller ist, ich habe also sein Interesse geweckt: „Wie viele Seiten hast Du schon geschrieben?“, fragt er. Meine Gedanken wandern zurück zu dem, was ich mir während meiner Wanderung durch den Wald überlegt habe, was aber noch keine Form angenommen hat, und was ich daher nicht zu sehr an die große Glocke hängen möchte: „Ich weiß es nicht“, gestehe ich: „Zur Zeit schreibe ich einfach meinen Blog voll mit Geschichten – und dann soll irgendwas über das moderne Indien dabei raus kommen.“

Der Autor ist freundlich interessiert; er gibt mir noch den Tipp, mir nach meiner Rückkehr in die deutschsprachige Welt einen Literaturagenten zu suchen – dann verabschieden sich die Beiden und legen sich schlafen.

Und ich? Ich kehre ebenfalls in mein Quartier zurück; mache mich daran, dieses Erlebnis niederzuschreiben – während ich aus meinem Bad schon wieder nächtliche Geräusche vernehme, von denen ich hoffe, dass sie von Affen stammen.