Testbericht: Nokias N95

Ich liebe Feiertage. Besonders dann, wenn ich nichts besonderes vorhabe, mich folglich also endlich mal dem ausführlichen Geländetest des Nokia N95 (freundlicherweise von Hutchinson 3G zur Verfügung gestellt) widmen kann.

Aufgestanden bin ich – wie es sich an Feiertagen so gehört – um circa 12 Uhr mittags. Um meinem Image als Hardcore-Nerd gerecht zu werden, schleppte ich mich erst mal zum Computer und öffnete meine Inbox. Erfreuliche Feststellung: das am Vorabend via N95 auf Ebay ersteigerte XLR-Mikrofon (ja, genau, passend zum Adapter…) ist lieferbereit. So viel sei also mal gesagt: der Browser des N95 funktioniert einwandfrei, nur bei einigen Exoten-Seiten gibt es Probleme; besonders aber der hemmungslose Konsum über Ebay und Konsorten wird nun auch mobil unterstützt. Na fein.

Daraufhin versuche ich, das neue Album der „Manic Street Preachers“ auf das Handy zu überspielen; das Gerät zickt aber herum, will nicht so wirklich; und da ich dann schon los muss, um ein hübsches Mädel zu treffen, muss ich nehmen, was derzeit auf der internen Festplatte gespeichert ist: ich habe die Wahl zwischen „Snow Patrol“ und „Björk“. Beides nicht gerade Gute-Laune-Musik für den Sommer, aber was soll’s.

Während des Treffens mit dem Mädel lasse ich das Handy lieber im Rucksack (allen urbanen Legenden zum Trotz ist es einfach unattraktiv, ständig mit irgendwelchen IT-Tools rum zu spielen. Außerdem: warum telefonieren, wenn man ja ohnehin in netter Gesellschaft ist?). Erst um circa 15 Uhr bin ich wieder alleine und kann meine depressiven mp3s hören – zu diesem Zeitpunkt war der Batteriestand bei rund 50 Prozent, obwohl zu Tagesbeginn noch frisch aufgeladen.

Mit meinem alten Freund Braunbär treffe ich mich am Schwedenplatz, um gemeinsam das GPS-System und die Skype-Funktion des Handys zu testen. Zum Thema Skype: ich habe es bis heute nicht geschafft, mich einzuloggen und dann auch meine komplette Kontaktliste zu sehen, das war irgendwie buggig; über Braunbärs LogIn haben wir mit seiner Freundin telefoniert, das war ganz okay. Leider fehlen aber beim mobilen Skype die InstantMessaging-Funktion und der Dateiversand. Also alles, was Skype theoretisch besser macht als Jahjah.

Auch das GPS ist eher eine Enttäuschung: in der Marc-Aurel-Straße vor dem Pickwicks konnte das Gerät nicht genügend Satelliten finden; wir mussten also zur Tankstelle vor gehen, wo es dann nach langer Zeit endlich den eigenen Standort gefunden hat. Dann war der Spaß aber auch schon wieder vorbei; denn es war circa 18 Uhr, und nach rund sechs Stunden Laufzeit musste der Akku nun mal kapitulieren.

Schließlich sind wir also zu Braunbär gefahren, um dort das Handy aufzuladen; auch hier wurden wir leider enttäuscht: Nokia hat neue Ladegeräte entwickelt, die mit den alten Anschlüssen nicht mehr kompatibel sind. Echt schade, denn bisher war ich den Finnen immer treu gewesen, weil einfach jeder meiner Kumpels irgendwo noch ein altes Ladegerät liegen hatte. Das war ebenso verbindend wie praktisch gewesen; dieser Wettbewerbsvorteil ist nun leider weg.

(aus dem gleichen Grund halte ich Apples iPod übrigens für Schrott: warum sollte ich mir einen mp3-Player mit proprietärem USB-Anschluss kaufen? Das ist vergleichbar mit einem LKW, dessen Laderaum sich nicht öffnen lässt…).

Großes Fazit: das N95 wäre interessant gewesen als GPS-Gerät für ausgedehnte Fahrradtouren. Wenn ich aber mit meinem Rad irgendwo in Bosnien stehe, das Ding ewig lange seine Satelliten sucht und schließlich den Geist aufgibt, fällt mir dazu nur noch eins ein: Dovidjenja.